„Das Mittelalter ist fast schon eine Lebenseinstellung“

michael-fuchs Seit neun Jahren organisiert Michael Fuchs aus Wunsiedel das Festival Collis Clamat. Für ihn ist die Planung nicht nur  Arbeit, sondern vor allem Leidenschaft.
Wunsiedel – Nach dem Festival ist vor dem Festival. Kurz nach demEnde von Collis Clamat beginnt für Michael Fuchs bereits die Organisation für die kommende Saison. Uns hat der 47-Jährige verraten, was das Festival am Katharinenberg einzigartig macht, was wir vom Mittelalter lernen können und welche Attraktionen die Besucher zum zehnjährigen Bestehen erwarten.

Herr Fuchs, weshalb fasziniert das Mittelalter so viele Menschen?
Das ist eine Frage, die mich laufend beschäftigt. Viele Gäste erzählen, dass sie das digitale Zeitalter fürchterlich finden. Sie wollen aus der selbstverschuldeten Misere, andauernd und überall erreichbar zu sein, ausbrechen und sehen Collis Clamat als eine Art Alltagsflucht vor den Folgen des technischen Wandels.

Was war am Wochenende für Siepersönlich ein Höhepunkt ?
Ich finde es erstaunlich, dass trotz der vielen Besucher niemandem etwas passiert ist. Es gab keinen Unfall und keine Streiterei. Aber bei Collis Clamat geht es generell gediegen zu. Ich denke, der Veranstaltungsort trägt viel dazu bei. Am Katharinenberg ist alles sehr weitläufig. Da kommen die Besucher erst gar nicht auf die Idee, sich zu streiten. In neun Jahren mussten wir lediglich
einmal bei einer Rauferei eingreifen.

Was unterscheidet Collis Clamat von anderen Mittelalter-Festivals?
Von Besuchern habe ich schon oft gehört, dass man merkt, dass es uns Organisatoren nicht darum geht,  Geld zu verdienen. Wir sind ein gemeinnütziger Verein und natürlich müssen wir eine schwarze Null schreiben. Aber mit dem Festival Geld zu verdienen, ist nicht unsere Absicht. Das Mittelalter ist unsere Leidenschaft. Und vielleicht spüren das auch unsere Gäste.

Für Collis Clamat wurden in diesem Jahr wieder tausende Besucher erwartet. Sind wegen des schlechten Wetters viele zu Hause geblieben?
Überraschenderweise machen die Besucher ihr Kommen nicht vom Wetter abhängig. Zwischen 12 000 und 15 000 Menschen haben heuer am Festival teilgenommen. Zum einen bot ihnen der Wald, der ans Festivalgelände grenzt, Schutz vor Wind und Regen. Zum anderen konnten sie sich bei den kühlen Temperaturen an etlichen Lagerfeuern aufwärmen. Aber sogar Euroherz und Bayern 3 haben sich bei mir erkundigt, ob wir darüber nachdenken, das Festival abzusagen. Wegen der vorangeschrittenen Organisation wäre das aber überhaupt nicht möglich gewesen. Und das haben auch unsere Gäste honoriert.

Nächstes Jahr findet Collis Clamat zum zehnten Mal statt. Gibt es dafür schon erste Pläne?
Wir wollen den Besuchern zum zehnjährigen Bestehen ein kleines Geschenk machen. Deshalb wird es am Mittwoch vor dem Festival einen mittelalterlich orientierten Konzerttag geben. Dafür sind wir im Moment mit Größen der Branche im Gespräch, sodass die Musikveranstaltung in die Fichtelgebirgs-Saison 2018 als absoluter Höhepunkt eingeht. Zudem wird Collis Clamat wieder
ein wenig weitläufiger, denn es gibt kein Jahr ohne Steigerung. Schließlich startet das Festival bereits am Donnerstag. Der bisherige Schnuppertag wird dann als regulärer Festivaltag im  Programm stehen. Den vergünstigten Eintritt gibt es aber trotzdem.

Wie können Besucher die Mittelalter-Atmosphäre mit nach Hause nehmen?
Das Mittelalter ist fast schon eine Lebenseinstellung. Es wird immer so grausam dargestellt. Natürlich sind die Leute an der Pest gestorben. Aber ich denke, dass die Menschen, die im Mittelalter gelebt haben, wesentlich entspannter waren. Sie waren glücklich, wenn ihre Kinder gesund waren und haben sich darüber gefreut, wenn das Abendessen gesichert war. Wir sollten uns auch heute mit kleineren Dingen zufrieden geben. Und genau dann hat man ein Stück Mittelalter zu Hause.

Wie sind sie überhaupt auf die Idee gekommen, es zu organisieren?
Eigentlich hatte ich nicht die Absicht, ein Mittelalterfest zu organisieren. Das hat sich einfach so ergeben. Aus einer Wirtshausidee heraus haben wir ein Katapult angeschafft. Und dann haben einfach ganz viele Zufälle zusammengespielt. Wir hatten einen geeigneten Veranstaltungsort, das Katapult als Attraktion und die richtigen Leute um uns herum. Damit meine ich Spezialisten
aus der Betriebswirtschaft, Handwerker und Experten aus der Gastronomie. Ohne sie wäre die Organisation nie möglich gewesen wäre. Ein Festival einfach nur hobbymäßig zu organisieren,
das klappt nicht.